Der letzte Schliff

Tuning gehört wohl zu den meistdiskutierten Themen unter Sportwagenfahrern, da machen die Carrera 3,2-Besitzer keine Ausnahme. In diesem Kapitel geht es nicht um optische Umbauten. In den 70er und 80er Jahren machte sich eine Reihe von Plastik-Bäckern mit wilden Karrosserie-Anbausätzen über den 911 SC und den Carrera 3,2 her. Dazu kamen farbenfrohe Dekore, Kreuzungsversuche mit Stilelementen des 944 und des 928 und Verbreiterungen mit zeitgenössischen Felgen im Straßenwalzenformat.

Turbobremse Die Bremsen aus dem 930 Turbo 3,3 lassen sich beim Carrera 3,2 mit Umbauten nachrüsten. Beim Carrera 3,2 WTL waren diese wirkungsvolle Anlage Serie. Foto: mt

Rückblickend betrachtet ist davon nicht viel übrig geblieben. Die auf diese Weise optisch als Spaßmobile hingerichten Wagen spielen in der heutigen Szene kaum noch eine Rolle. In der Regel wurden diese Umbauten spätestens in 3. Hand von unkundigen Besitzern zu Bastelbuden abgewirtschaftet. Mit solchen Wagen kauft man sich in der Regel eine Menge Ärger ein, dazu kommt eine verheerende finanzielle Bilanz, geht man daran, die Schäden wieder rückgängig zu machen. Für Tuning-Maßnahmen aller Art ist am Besten ein gepflegter Carrera 3,2 mit guter Substanz zu gebrauchen.

Mit Verbesserungen im technischen und aerodynamischen Bereich läßt sich der Carrera 3,2 nach den eigenen Bedürfnissen optimieren. Dabei kann man durchaus bemerkenswerte Resultate erzielen. Über einige Punkte muss man im Klaren sein:

Auch mit den aufwändigsten Umbauten lässt sich der Carrera 3,2 nicht auf das Niveau seiner Nachfolger heben. Ob man ähnlich schnell wie zum Beispiel mit einem 993 unterwegs ist, hängt eher von den Fahrkünsten des Piloten ab.

Wirkungsvolle Verbesserungen sind nicht für kleines Geld zu haben. So gut das Preis-Leistungsverhältnis eines Carrera 3,2 in der Anschaffung ist: Umbauten bewegen sich auf dem Niveau von Neuwagen. Für ein paar Sportsitze, einen Satz neuer 16er-Füchse mit neuer Bereifung sowie ein neues Fahrwerkssetup mit anderen Dämpfern ist zusammen ein mindestens fünfstelliger Betrag einzukalkulieren. Diese Dinge bekommt man beim Gebrauchtwagen oft ohne großen Aufpreis mit dazu - oder umgekehrt gesagt: Ein echte Wertsteigerung findet durch solche Veränderungen kaum statt, auch wenn der Fahrspaß für sportlich ambitionierte Fahrer deutlich steigt.

Auch die oben abgebildete Turbo-Bremsanlage zählt zu den Umrüstmöglichkeiten, die nicht als Sonderangebot zu bekommen ist. Allein die Bremszange aus Aluminium schlägt mit einem Neupreis von rund 650 Euro zu Buche,an der Hinterachse muss zudem der Lochabstand der Zange geändert werden, um am vorhanden Radträger montieren zu können. Hinzu kommen natürlich neue Bremsscheiben, wobei vorne die extrem teure Variante vom Turbo 3,3 des Mj. 78 zum Einsatz kommen muss. Dafür hat sie mit ihrer Rennvergangenheit im Porsche 917 eindrucksvolle Referenzen vorzuweisen. Sie ist deutlich leichter als die im 3,2 serienmäßig verwendete Graugußzange und gleicht damit ungefähr den Gewichtszuwachs durch die deutlich größeren Turbo-Bremsscheiben aus.

Keine physikalischen Wunder

In den meisten Fällen bedarf es einer Reihe von Modifikationen, um zu einem befriedigenden Ergebnis zu kommen, gleich in welche Richtung ein Wagen verändert werden soll. Viele Dinge haben eher psychologische Wirkung, wie ein anderer Luftfiltereinsatz oder eine laut tönende Auspuffanlage. Schneller ist man mit diesen Dingen nicht unterwegs - auch wenn dazu in diversen Internet-Foren geradezu atemberaubende Augenzeugenberichte stehen, die eher unter der Rubrik physikalische Wunder einzuordnen sind.

Vieles, worauf die umfangreichen Kataloge der Tuner und Porsche-Zubehörhändler Appetit machen, hat im normalen Alltagsbetrieb ohnehin nichts verloren. Harte Fahrwerksbuchsen aus Plastik, Rennstoßdämpfer und Drehstäbe mit deutlich größerem Durchmesser demonstrieren nur im Rennbetrieb ihre Berechtigung. Schon mit wesentlich weniger aufwändigen Lösungen wird der Carrera 3,2 deutlich agiler.

Serienmäßig ist der Carrera 3,2 als untersteuerndes Fahrzeug ausgelegt, dessen Übersteuertendenz erst bei grob fahrlässigen oder wilkürlich provozierten Fahrmanövern zu Tage tritt. Diese Neigung zum Untersteuern lässt sich durch gezielte Eingriffe deutlich reduzieren.